
© gobasil
Für Trauernde
veröffentlicht 13.03.2024
von Impulspost-Redaktion
Wer einen wichtigen Menschen in seinem Leben verliert, trauert. Dennoch sind Angehörige in den ersten Tagen neben der eigenen Trauer um einen geliebten Menschen mit einer Vielzahl von Fragen und Aufgaben konfrontiert. Vieles ist zu erledigen, Entscheidungen sind zu treffen, Behörden und Versicherungen zu informieren und die Beerdigung zu organisieren.
„Deshalb tröstet einander und richtet euch gegenseitig auf. “
1. Thessalonicher 5,11 (Bibel in gerechter Sprache)

© gobasil
Nicht allein bleiben!
Kontaktiere Menschen, die dich im Trauerprozess begleiten. Bitte Freunde und Bekannte um Unterstützung! Pfarrerinnen und Pfarrer sind im Trauerfall vor Ort für dich da, beten mit dir, leisten seelsorglichen Beistand und helfen auch dabei, die Beerdigung zu gestalten.
Auch Bestattungsinstitute bieten Hilfestellungen in den praktischen Fragen der Bestattung, Friedhofsverwaltungen unterstützen bei der Wahl des Grabes.
Die ersten Schritte nach der Beerdigung
Wenn die Beerdigungsgäste abgereist sind, kehrt oft mit der Ruhe die Leere ein. Zwar ist immer noch viel zu erledigen. Eventuell ist ein Haushalt aufzulösen. Gleichzeitig wird das Fehlen des geliebten Menschen immer deutlicher bewusst. Die Trauer wird umso spürbarer.
In den Tagen nach der Bestattung legen manche Angehörige bewusst dunkle oder schwarze Kleiderstücke an. Einerseits, weil sich das richtig anfühlt und ihrer Stimmung entspricht. Andererseits ist die Kleidung ein Signal an die Außenwelt, behutsam mit der Person umzugehen, die sich in Trauer befindet.
Trauer ist individuell sehr verschieden. Manchmal kann sie Jahre dauern. Jeder Mensch braucht seine ganz eigene Zeit für den Weg, den er oder sie jetzt gehen muss. Dabei stehen er oder sie vor folgenden Aufgaben:
Meine Gefühle durchleben und ausdrücken
Dazu gehören Traurigkeit, Schmerz, Wut (auch gegen die Verstorbene oder den Verstorbenen), Angst, Zweifel, Ratlosigkeit und Verzweiflung. Aber auch Erleichterung, dankbare Erinnerungen, bleibende Liebe und die Hoffnung, dass der oder die Verstorbene jetzt bei Gott, an einem guten Ort geborgen ist.
Die Wirklichkeit des Verlustes annehmen
Dabei helfen Abschiedsrituale wie zum Beispiel eine Aussegnung, die Trauerfeier oder ein Erinnerungsgottesdienst, wie z.B. dem Ewigkeitssonntag (Totensonntag) im November, an dem in den Kirchengemeinden der Verstorbenen des Jahres gedacht wird.
In der Wohnung eine Gedenkkerze und ein Bild des oder der Verstorbenen aufstellen, einen Abschiedsbrief an den oder die Verstorbene(n) schreiben, die Kleidung weggeben, die Wohnung neu gestalten. Kleine oder große Rituale helfen.
Mich an ein neues Leben gewöhnen, in dem die verstorbene Person fehlt
Dazu gehört es, Dinge zu übernehmen, die vorher der oder die Verstorbene gemacht hat, wie kochen, kleine Reparaturen, Schriftwechsel und Ähnliches. Andere um Hilfe zu bitten, wenn ich es selbst nicht kann. Ohne ihn oder sie die vertrauten Wege gehen, ein Restaurant, Theater oder Kino zu besuchen, eine Reise zu unternehmen. Neue Freunde zu finden, wenn alte sich zurückziehen.
Der verstorbenen Person einen neuen Platz in meinem Leben geben
Ich muss den Toten oder die Tote nicht loslassen, sondern darf mich weiter mit ihm oder ihr verbunden fühlen und ihm oder ihr alles sagen, was mir wichtig ist. Ich suche nach einem Ort, an dem ich meiner oder meinem Verstorbenen nahe sein kann – wie auf dem Friedhof, in der Natur oder in meinen Erinnerungen.

© GettyImages / giuseppepapa
Kleine und große Rituale
Rituale haben für den Menschen die Bedeutung, Zeiten der Unsicherheit, des Umbruchs und der drohenden Orientierungslosigkeit zu gestalten. Sie geben Halt und Sicherheit und schenken Geborgenheit.
Zugleich sind Rituale immer auch Begleiter von Veränderungsprozessen, von Schwellensituationen auf dem Lebensweg sowie von Initiationen in eine neue Dimension des Lebens. Sie eröffnen immer auch den Zugang zu einer spirituellen Dimension. Im Umfeld von Sterben und Tod sind deshalb Rituale von besonderer Wichtigkeit.
Neben dem offiziellen Ritual der Bestattung gibt es unzählige kleine und größere Rituale, die Trauernden dabei helfen, die Zeit zu strukturieren und die Zeit der Unsicherheit - auch über die eigenen Emotionen – zu gestalten und zu überstehen. Nicht jedes Ritual ist für jeden Menschen stimmig. Hier gilt es behutsam darauf zu achten, welche Gesten und Handlungen die eigene Trauerarbeit befördern und welche eher hinderlich sind.
Besonderer Schutzbereich
Bereits im Alten Testament werden Trauerzeiten erwähnt. Das Trauerjahr kann so etwas wie einen Schutz bedeuten. In diesem Jahr gibt es zahlreiche Jahrestage zum ersten Mal zu durchleben: das erste Weihnachtsfest, der erste Hochzeitstag ohne den Verstorbenen, der erste Todestag. Der Brauch des Trauerjahrs will den erforderlichen Schutzbereich markieren: Hier lebt jemand in einer besonderen Situation. Darauf gilt es Rücksicht zu nehmen.
Wir danken Anne Lüters für die Bereitstellung von Texten zu den Ritualen aus dem Themenspecial Die Zeit der Trauer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.
Weiterleben mit Jürgen
Von Armin Himmighofen
Unser Sohn hat am 11. Mai Geburtstag. Wir feiern dieses Datum, denn wir wollen ihn nicht vergessen. Er gehört zu unserer Familie, solange wir leben. Mein Mann und ich haben noch zwei Töchter.
Manchmal werden wir gefragt, ob wir damit etwas verhindern wollen. Sie denken, es sei so eine Art Innenraum in unserer Familie, in dem wir unseren Sohn aufbewahren wollen und zu dem nur wir Zugang haben. Sie denken, wir können gar nicht Abschied nehmen.
Doch wir nehmen Abschied, aber wir lassen nicht los. Abschied bedeutet für uns, dass wir unseren Sohn behandeln, als wäre er an einen Ort verreist, an den wir nicht hin gelangen können. Wir sprechen über ihn und wir stellen uns vor, wie er jetzt aussieht. In diesem Jahr wird er 39 Jahre alt. Er könnte schon selbst Kinder haben. Wahrscheinlich würde er sich rührend um sie kümmern. Er hat als Jugendlicher in der Kirchengemeinde eine Kindergruppe geleitet. Er konnte ausgelassen mit den acht- und neunjährigen spielen, singen und Quatsch machen. Davon erzählen uns heute noch Eltern, die ihre Kinder zu ihm schickten.

© gobasil
Das könnte dich auch interessieren

Und jetzt? Umgang mit Trauer und Trost
Der beste Freund hat seine Tochter durch einen Unfall verloren, die Kollegin ihren Mann nach langer Krankheit: Wie begegnet man jemandem, der um einen geliebten Menschen trauert? Anteilnahme hilft den Trauernden dabei, den Verlust leichter zu ertragen. Aber wie verhält man sich richtig? Wenn in Familie oder im Freundeskreis ein Trauerfall eintritt, wissen viele nicht, wie sie reagieren sollen, was sie sagen oder wie sie helfen können. Aus Angst, etwas falsch zu machen oder aus dem Gefühl, mit der Trauer überfordert zu sein, ziehen sie sich lieber zurück. Die Trauernden fühlen sich allein gelassen, statt die dringend benötigte Unterstützung zu erfahren.

Für Tröstende
Ein Trauerfall im Verwandten-, Freundes- Kolleg*innenkreis oder in der Nachbarschaft stellt Menschen vor Herausforderungen. Über den Tod sprechen ist schwer. Viele wissen oft nicht, was sie Trauernden sagen oder wie sie reagieren sollen. Seelsorgerinnen und Seelsorger der EKHN haben daher diese Anregungen und ganz praktische Tipps zusammengestellt.