Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Dietrich Bonhoeffer

© Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh

Dietrich Bonhoeffer in London

Dietrich Bonhoeffer: Glaube in schwierigen Zeiten

veröffentlicht 03.04.2025

von Rita Haering

Dietrich Bonhoeffers Gedanken und sein Leben geben bis heute Halt und Orientierung. Mit Blick auf seinen 80. Todestag betont Bonhoeffer-Biografin und EKHN-Kirchenpräsidentin Christiane Tietz, dass er sich als „Zeuge des Glaubens“ mutig gegen das NS-Regime gestellt habe. In Fragen des Glaubens und der Theologie, bei der Suche nach persönlicher Identität und für gesellschaftliches und politisches Engagement hat er prägende Impulse gesetzt.

Wie können wir uns verhalten in besonders harten Lebensphasen? Wie nehmen wir unsere Verantwortung wahr? Dazu hat sich der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer geäußert: „Nicht die Welt aus den Angeln zu heben, sondern am gegebenen Ort das sachlich Notwendige zu tun – und dies wirklich zu tun“, sei die Aufgabe. Für jeden Menschen kann das Notwendige anders aussehen - für Bonhoeffer war es der Weg bis zur äußersten Konsequenz. Er beteiligte sich am kirchlichen und am politischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Als Gegner des Nazi-Regimes war er in die Umsturzplänen eingebunden, die das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 zum Ziel hatten. Am 9. April 1945, kurz vor Kriegsende, wurde er, nach einer fast zweijährigen Haftzeit, im Konzentrationslager Flossenbürg durch die Nationalsozialisten ermordet.

Dietrich Bonhoeffer

© Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh

Dietrich Bonhoeffer und Sabine Leibholz

© Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh

Dietrich Bonhoeffer

© Tomasz Kmita-Skarsgård/CC/Wikimedia Commons

Dietrich Bonhoeffer

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Dietrich Bonhoeffer und Sabine Leibholz

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Dietrich Bonhoeffer

© Tomasz Kmita-Skarsgård/CC/Wikimedia Commons

Dietrich Bonhoeffer

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Dietrich Bonhoeffer und Sabine Leibholz

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Dietrich Bonhoeffer

© Tomasz Kmita-Skarsgård/CC/Wikimedia Commons

Dietrich Bonhoeffer in London im Jahr 1939: Hier traf er nicht nur seine Schwester Sabine, sondern auch seinen Freund George Bell, den Bischof der Church of England, den Generalsekretär des ÖRK Willem Adolf Visser ’t Hooft und den US-amerikanischen evangelischen Theologe Reinhold Niebuhr.

Im Frühjahr 1939 besuchte Dietrich Bonhoeffer (links) seine Schwester Sabine (rechts) in London. Ihr getaufter Mann Gerhard Leibholz war jüdischer Herkunft und deshalb emigrierten er und seine Frau mit den beiden Töchtern 1938 nach England.

Weltweit hoch geschätzt: Portrait Dietrich Bonhoeffers - Buntglasfenster der Kirche St. Krzysztof in seiner Geburtsstadt Breslau

Dietrich Bonhoeffer: Mutiger Glaubenszeuge gegen Unrecht

Was können wir heute von Dietrich Bonhoeffer lernen? Christiane Tietz, Kirchenpräsidentin der EKHN und Bonhoeffer-Biografin, äußert im Interview mit evangelisch.de ihren tiefen Respekt gegenüber dem Theologen: „Dietrich Bonhoeffer war mutig. Er war konsequent. Er hat seinen Glauben ernst genommen und sich immer wieder gefragt: Was heißt es, heute Christ zu sein?“ Aus ihrer Sicht sei er ein Zeuge des Glaubens, der aus christlicher Überzeugung gegen das Unrecht gehandelt habe. Sein Glaube habe ihn immer wieder herausgefordert, sich nicht ins Privatleben zurückzuziehen, sondern sich für Gerechtigkeit zu engagieren. Was heißt das konkret? Dietrich Bonhoeffer kritisierte bereits 1933 die Einführung des antisemitischen sogenannten „Arierparagraphen“ in der evangelischen Kirche, der evangelische Geistliche mit jüdischen Wurzeln aus dem Amt vertrieb. Die Verfolgung und Entrechtung der Jüdinnen und Juden in Europa entsetzte ihn. Schließlich brach Deutschland den Zweiten Weltkrieg 1939 los. Wissend, dass er damit Schuld auf sich lud, aber dass auch Nichtstun Schuld bedeutete, „beteiligte sich Bonhoeffer als Christ daran, dass Hitler beseitigt werden kann“, so Christiane Tietz.

Spannend für Jugendliche: Bonhoeffer und die Suche nach der eigenen Identität

Für aktuelle Fragen junger Menschen bietet Dietrich Bonhoeffer laut Kirchenpräsidentin Christiane Tietz spannende Impulse. Sie hebt sein Gefängnis-Gedicht „Wer bin ich?“ hervor, das für Jugendliche, so hat sie es oft erlebt, spannend ist. In dieser Zeit setzen sich Jugendliche oft intensiv mit ihrem Selbstbild und ihrer Rolle in der Gesellschaft auseinander. Bonhoeffer thematisiert in seinem Gedicht die Spannung zwischen den Vorstellungen, die sich andere von außen über ihn machen, und seinem eigenen inneren Erleben. „Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?“ schreibt er.
Christiane Tietz betont: „Viele junge Menschen stellen sich die gleichen Fragen wie Bonhoeffer damals und kennen auch solche Zweifel. Er vermittelt ihnen, dass sie in ihrer Suche nach sich selbst von Gott getragen sind, nicht von ihm allein gelassen werden.“ Denn das Gedicht endet mit den Worten: „Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“
Die Bonhoeffer-Expertin erzählt von ihren Erfahrungen mit Schulklassen: Durch kreative Ansätze wie das Drehen von Videos oder das Anfertigen von Kollagen haben Schülerinnen und Schülern sich mit dem Gedicht auseinandergesetzt und Bezüge zu ihrer eigenen Lebenswelt hergestellt.

Bonhoeffers Worte: Halt in stürmischen Zeiten

Menschen, die mit schwierigen Herausforderungen kämpfen, können sich ebenfalls durch die Worte Dietrich Bonhoeffers gestärkt fühlen. Kirchenpräsidentin Christiane Tietz verweist auf Bonhoeffers Glaubensbekenntnis, das er mitten im Krieg verfasste. Er schrieb: „Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.“
Bonhoeffers vielfach vertontes Gedicht „Von guten Mächten hat bis heute unzählige Menschen begleitet. Tietz berichtet, dass Bonhoeffer dieses Gedicht Ende 1944 aus dem Gefängnis als Weihnachtsgruß an seine Verlobte Maria von Wedemeyer und seine Familie schrieb. In einem Begleitbrief erklärte er Maria, was er unter den „guten Mächten“ verstand: Es waren die Menschen, die ihn unterstützten. „Eure Gebete und guten Gedanken, Bibelworte, längst vergangene Gespräche, Musikstücke, Bücher bekommen Leben und Wirklichkeit wie nie zuvor“, veranschaulicht Bonhoeffer.

Kirche und Politik: Soll man dem Rad in die Speichen fallen?

In vielen Gesprächen und auf Social-Media-Plattformen stellt sich heute die Frage: Darf sich die Kirche in die Politik einmischen? Diese Frage beschäftigte auch Dietrich Bonhoeffer, mit der Antwort hat er intensiv gerungen. Tietz erklärt, dass Bonhoeffer ursprünglich dem lutherischen Obrigkeitsdenken folgte, wonach die Regierenden von Gott eingesetzt seien und die Kirche dem Staat nicht in politische Entscheidungen hineinreden dürfe. Doch seine Sicht änderte sich mit dem antisemitischen Arierparagraphen, der nicht nur auf Staatsbeamte angewendet, sondern auch, wie bereits erwähnt, in der evangelischen Kirche eingeführt werden sollte.
Bonhoeffers Antwort war klar. Er schrieb den Aufsatz „Die Kirche vor der Judenfrage“. Darin erklärte er, dass die Kirche zuerst den Staat fragen müsse, ob dieser seinem Auftrag und seiner Verantwortung gerecht werde. Er appellierte er an die Kirche, dann aber auch den Opfern staatlichen Unrechts zu helfen. Bonhoeffer fügte hinzu: „Die Kirche soll nicht nur die Opfer unter dem Rad verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen fallen.“ Christiane Tietz erklärt: „Wenn schließlich Menschen entrechtet werden, dann muss die Kirche nicht nur den Opfern helfen, sondern den Staat direkt kritisieren. Das heißt: dem Rad in die Speichen fallen.“

Dietrich Bonhoeffer – sein Leben

Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 in Breslau geboren und wuchs in einer großbürgerlichen Familie mit sieben Geschwistern auf. Prägend waren seine religiöse Erziehung durch die Mutter, der frühe Verlust seines Bruders Walter im Ersten Weltkrieg und die Haltung der Familie, dass man in seinem Handeln Verantwortung übernehmen müsse. Nach seinem Theologiestudium, seiner Promotion und Habilitation in Berlin wurde er 1931 Pfarrer. Auslandsaufenthalte, besonders in den USA, schärften seinen Blick für soziale Ungerechtigkeiten.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten war Dietrich Bonhoeffer 1933 Mitbegründer des Pfarrernotbundes, der vom sogenannten Arierparagraphen betroffenen Pfarrern half und aus dem später die Bekennende Kirche (BK) hervorging. Als Direktor eines Predigerseminars der BK in Deutschland geriet Bonhoeffer zunehmend unter Druck: 1937 wurden das Seminar durch die Gestapo geschlossen, 1940 folgten ein Redeverbot und ein halbes Jahr später ein Veröffentlichungsverbot.

Seit vermutlich 1940 arbeitete Bonhoeffer im Amt Ausland/Abwehr, dem militärischen Geheimdienst mit, wo er zum Widerstandsnetzwerk um seinen Schwager Hans von Dohnanyi gehörte. 1943 verlobte er sich mit Maria von Wedemeyer, kurz darauf wurde er verhaftet. Am 9. April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg gehängt.

Buchtipps:

  • Christiane Tietz: Dietrich Bonhoeffer - Theologe im Widerstand, 3. Auflage, München 2024.
  • Dietrich Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung – Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, Gütersloh 2005.
  • Wolfgang Huber und Christian Gremmels (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Ausgewählte Werke, Verlag Herder 2020.

Filmtipps:

  • „Bonhoeffer – die letzte Stufe“ von Erik Till.
  • „Wer glaubt, der flieht nicht“ der Internationalen Bonhoeffer-Gesellschaft – besonders geeignet für junge Leute und Schulklassen.

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