
ZA/EKHN
Else Niemöller
veröffentlicht 16.05.2024
von Britta Jagusch
Else Niemöller war Lehrerin, Mutter, Pfarrfrau und Friedensaktivistin. Ihrem international bekannten Ehemann Martin Niemöller, der erste Kirchenpräsident der EKHN, stand sie als Ratgeberin und Kritikerin zur Seite.
Else Niemöller (1890-1961) verfügte über pädagogisches Geschick und umfassendes theologisches Wissen. Damit konnte sie ihren Mann im Nationalsozialismus vom Übertritt zum katholischen Glauben abhalten. Und nicht nur während seiner Haftzeit von 1937 bis 1945 war sie für ihn das Fenster zur Welt.

privat
Gemeinsame Reisen und Vorträge
Auf ihren Vortragsreisen in der Nachkriegszeit schilderte sie ihre Erfahrungen als Ehefrau eines Inhaftierten in der NS-Zeit und sprach zur Bedeutung der Bekennenden Kirche in Deutschland, der Verantwortung christlicher Frauen für den Frieden und zur Stellung der Kirchen in der sowjetischen Besatzungszone.
„I am happy and grateful, to be able to be in the States. And I hope, that our meetings will create a new understanding among the people and a new unity among the churches all over the world.“
Else Niemöller
Mit diesen Worten begrüßte Else Niemöller ihr Publikum in einem christlichen Filmstudio in Hollywood zu Beginn ihrer ersten USA-Reise 1946. Ihr Mann Martin Niemöller – Mitbegründer der Bekennenden Kirche und ehemaliger persönlicher Gefangener Adolf Hitlers – hörte seiner Frau gebannt zu. Ein Bild, so ungewohnt wie symbolisch. Denn fortan trat sie aus seinem Schatten: hielt Vorträge auf internationalen Konferenzen und vor Frauengruppen und predigte mitunter gemeinsam mit ihrem Mann. Ihr Einsatz für den weltweiten Frieden, die deutsche Wiedervereinigung und die Ökumene sind heute jedoch nahezu vergessen.
Ehrenpräsidentin der Westdeutschen Frauenfriedensbewegung
In den USA begann das Ehepaar 1947 Spenden für Deutsche zu organisieren und internationale Patenschaften – auch an Bedürftige in Ostdeutschland – zu vermitteln. Nach ihrer Rückkehr leitete Else Niemöller die CARE Pakete-Aktion im Kirchlichen Außenamt. 1951 schloss sie sich der entstehenden Westdeutschen Frauenfriedensbewegung an und wurde 1959 zu deren Ehrenpräsidentin ernannt.

ZA/EKHN
Eintreten für Frieden und Völkerverständigung
Doch trotz ihres Wissens und Engagements wurde Else Niemöller bis heute vor allem als Frau eines berühmten Mannes wahrgenommen. Dabei verfolgten beide die gleichen Ziele und setzten vieles miteinander durch. Sie entwickelten sich gemeinsam, auch in ihrer politischen Haltung: von der Ablehnung der Demokratie in der Weimarer Republik hin zum entschiedenen Eintreten für Frieden und Völkerverständigung nach 1945.
Wanderausstellung widmet sich Else Niemöllers Leben
Eine Wanderausstellung der Martin-Niemöller-Stiftung mit dem Titel „Ihren Platz in der Welt finden – Else Niemöller“ rückt das Leben Else Niemöllers in den Mittelpunkt und zeigt sie als eigenständige Persönlichkeit und ebenbürtige Partnerin Martin Niemöllers. Die Ausstellung kann kostenlos über die Martin-Niemöller-Stiftung ausgeliehen werden.
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